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Scorecard: Ein neues Bonus-System

Nach einjährigem Test beginnt die HypoVereinsbank mit der schrittweisen Einführung eines neuen, objektiveren Bonus-Systems für die 10 000 Mitarbeiter im Vertrieb.

 

Transparenter, fairer, objektiver: Nach gut einjähriger Vorlaufphase startet die zur italienischen UniCredit Group gehörende HypoVereinsbank in diesen Tagen mit einem Systemwechsel bei der Vergütung ihrer Vertriebsmitarbeiter. Betroffen ist der variable, leistungsbezogene Teil der Gehälter. Anstelle der bisherigen, frei gestalteten Zielvereinbarungen sollen künftig so genannte deterministische Boni für mehr Klarheit und Gerechtigkeit sorgen. Schon zum Jahreswechsel wollen alle Vertriebsdivisionen die Umstellung abgeschlossen haben.

Im Zentrum der Neuregelung steht dabei die Einführung von Scorecards, in denen alle Beurteilungskriterien für die jeweilige Position von vornherein verbindlich und messbar festgelegt werden. Die Zeiten der von vielen als ungerecht empfundenen Nasenprämien, bei denen Vorgesetzte nach eigenem Gutdenken und häufig nach Sympathie über die Zusatzzahlungen entscheiden konnten, sind bei der HypoVereinsbank damit vorbei. Gleiches Geld für vergleichbare Leistungen, lautet nun die Devise.

Verabschiedet hat sich die HVB auch von dem in der Branche weit verbreiteten so genannten Topf-Modell, bei dem die Boni aller Mitarbeiter einer Abteilung oder eines Bereiches aus einer gemeinsamen Kasse kommen - ein System, das vor allem die leistungsstärkeren Beschäftigten benachteiligt und sogar kontraproduktiv wirken kann: Denn mit jedem weiteren Mitglied einer solchen Bonus-Gruppe, das seine Vorgaben erfüllt, sinkt die Ausschüttung für die anderen Beteiligten.

Zeitgleich mit der Umstellung auf die Scorecards verändert die HVB-Führung auch das 2003 eingeführte Tarif-Modell "12 + 2": Um Betriebsrat und Gewerkschaften mit ins Boot zu holen, gibt es künftig wieder ein festes 13. Monatsgehalt für alle betroffenen Angestellten. Ohne diesen von den Arbeitnehmervertretern geforderten "Minimumbonus" wäre eine einvernehmliche Regelung wohl nicht möglich gewesen. Zu groß war die Befürchtung, dass sich alle, die unter den neuen Zielen bleiben, finanziell deutlich verschlechtern könnten. Skepsis herrschte auf Arbeitnehmerseite auch bezüglich einiger auf der Scorecard festgeschriebener Beurteilungskriterien. Vor allem die Etablierung der "Kundenzufriedenheit" als wichtiger Messgröße stieß vielen Kritikern auf.

Trotz aller Vorbehalte und Kompromisse - mit der Durchsetzung des neuen Bonus-Systems bestätigt die HypoVereinsbank einmal mehr ihren Ruf als Vorreiter bei der leistungsabhängigen Vergütung. Auch diesmal wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis andere Kreditinstitute den innovationsfreudigen Bankern aus München folgen. Die sollten, bei aller Freude über die Pole Position, die Nase nicht zu hoch tragen: Das neue System ist keine bayerische Erfindung - sondern ein bewährtes Modell der Mutter aus Italien.

Autor: Jan Tiedge

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